Donnerstag, 23. Juli 2015

Spontane Empörung

Guten Tag, Herr Franz Josef Wagner von der Bild,

Sie setzen sich in Ihrer heutigen Kolumne mit Familienpolitik auseinander. Nein, eigentlich setzen Sie sich mit den heutigen Müttern auseinander. Offensichtlich haben Sie ein Problem mit diesen. Lassen Sie mich zunächst dazu sagen: Ich glaube, die meisten haben auch ein Problem mit Ihnen - ausgleichende Gerechtigkeit.

Eigentlich ist dieses Geschwurbel keine Aufmerksamkeit wert, aber ich möchte dennoch auf ein paar Ihrer Sätze eingehen - einfach weil ich mich aufrege ...

Sie fragen danach, wer schuld daran ist, dass es in Deutschland zu wenig Babys gibt. Sie machen den Zeitgeist dafür verantwortlich - auf eine ganz miese Art. Sie sagen Zeitgeist, meinen aber Frauen. Ihre Begründung (und meine Antworten dazu):

1) Mütter machen Karriere.
Hm, ich weiß nicht, ob ich Karriere mache, aber ich gehe arbeiten, um Geld für die Familie zu verdienen, für meine soziale Absicherung, für meine Altersvorsorge. Ich bin gut in meinem Job - könnte man als Karriere bezeichnen. Machen Väter übrigens auch. Also Karriere. Oder ihren Job, um Geld für die Familie zu verdienen, sozial abgesichert und im Alter versorgt zu sein.

2) Mütter tragen Hosenanzüge.
Welch Argument! Zum Schreien! Ich trage übrigens keine, ich hasse sie. Besonders amüsant finde ich in diesem Zusammenhang übrigens, dass Sie Ursula von der Leyen als Beispiel einer hosenanzugtragenden Frau nennen. Nun kann man von der guten Uschi halten, was man will - aber mangelnde Geburtenrate im Haus von der Leyen?

3) Mütter geben ihre Kinder in Kitas ab.
Ja, mit Begeisterung! Ich habe ein Kind, das super mit anderen Kindern kann, viel Spaß in der Kita hat, vieles lernt und sich tagsüber nicht langweilen muss. Und soll ich was sagen: Unsere Kita-Betreuung ist so super, dass das für mich eines der Argumente wäre, noch mehr Kinder in die Welt zu setzen. Ohne meinen Job wäre nämlich noch mehr Nachwuchs eher nicht drin ... leider. Das ist der Zeitgeist ...

Ganz großartig Ihre Schlussfolgerung: Mütter sind Business-Frauen, Power-Frauen - und damit wie Männer. Sie sind keine Mütter mehr, stehen ihren Kinder bei Nachtängsten nicht bei, singen sie nicht in den Schlaf.

Autsch! Also, bei einem Mann ist das offensichtlich ok, wenn er Karriere macht, Hosenanzüge trägt, im Fitnesscenter trainiert, in Aufsichtsräten sitzt. Männer dürfen das. Aber wissen Sie was? Einen Mann, der seinem Kind nicht bei Nachtängsten beisteht, der nicht für sein Kind da ist, weil er Business-Mann, Power-Mann ist, den wollte ich gar nicht als Vater haben (ganz abgesehen davon, dass der weltbeste Papa der bessere Sänger ist). Sie beleidigen damit die liebevollen Väter, die sich um die Familie kümmern, für diese da sind, ihrer Frau ein gleichberechtigtes Leben ermöglichen, beruflich vielleicht sogar zurückstecken, gleich mit. Es tut echt weh ...

Steigen Sie doch bitte zurück in Ihre Zeitmaschine!

PS: "... in der Nacht dabei, wo ihr Kind Angst hat" ist keine stilistische Glanzleistung. Von den sonstigen Fehlern mal abgesehen ...

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