Freitag, 22. Mai 2015

Abschied

Nein, der Titel des heutigen Blogposts bezieht sich nicht auf meinen Blog, auch wenn sicherlich viele das jetzt erwarten - ist es doch tatsächlich drei Monate - ein Vierteljahr! - her, dass ich das letzte Mal geschrieben habe. Es ist nicht so, dass es nichts zu erzählen gegeben hätte. Aber die Zeit hat gefehlt. Das ist natürlich für einen Freiberufler meist ein gutes Zeichen, zeigt es doch, dass man viele Aufträge hatte, die man - seit das Kind da ist - nicht mehr in acht bis neun Stunden pro Tag erledigen kann, sondern meist in maximal sechs (jedenfalls dann, wenn man nicht jeden Abend und jedes Wochenende Sonderschichten fahren möchte).

Heute ist nun ein ruhiger Tag, und bevor ich diesen mit so spannenden Dingen wie Ausmisten, Aufräumen, Steuererklärung etc. fülle, möchte ich erst einmal über einen neuen Lebensabschnitt des kleinen Kobolds nachdenken. Inspiriert dazu hat mich der gestrige Blogpost der Berlinmittemom. Bei ihr geht es um den Abschied aus dem Kindergarten ihrer Jüngsten und damit auch um ihren Abschied aus dem Kindergarten. Nun ist der kleine Kobold noch kein Schulkind. Aber der erste große Wechsel steht an: von der Krippe in den Kindergarten.

Vor zwei Jahren kam der kleine Mann in die Krippe. Einige aus meinem Umfeld und meiner Familie beäugten das sehr kritisch. Den Spruch "Warum bekommt man ein Kind, wenn man es doch gleich wieder abgibt?" habe ich zu hören bekommen. Ich habe ihn ignoriert. Schließlich gab es da ja noch meine hart erkämpfte Selbstständigkeit, die zu diesem Zeitpunkt fast ein Jahr lang brachlag und die - wie ich in den Monaten danach schmerzlich feststellen musste - die 11 Monate Elternzeit beinahe nicht überstanden hätte. Aber das war nicht der einzige Grund. In den letzten zwei, drei Monaten vor dem 1. Koboldgeburtstag wurde einfach immer deutlicher, dass der Kleine mehr Abwechslung und Action brauchte, als ich ihm geben konnte. Er war (und ist) neugierig, aktiv, extrovertiert, fröhlich. Die Tatsache, dass unsere Eingewöhnung gerade mal eine Woche dauerte, bestätigte mich darin, das Richtige getan zu haben.

Ja, das sage ich aus vollster Überzeugung: Es war eine gute Entscheidung. Was der Kleine alles gelernt hat, wie selbstständig er ist, das verdanken wir unserer großartigen Krippe. Eine tolle Betreuung, viele Aktivitäten und Ideen, immer wieder neue Inspirationen, Ausflüge, gemeinsame Erlebnisse, viele andere Kinder. Engagierte Erzieherinnen, die immer wieder neue Ideen haben und die auch außerhalb der Betreuungszeiten engagiert sind - wie man an liebevoll geplanten Adventsfeiern, Sommerfesten etc. sieht. Bewegung drinnen und draußen, Musikschulunterricht, Förderung sozialer Kompetenzen (der kleine Kobold als derzeit Ältester der Gruppe passt bspw. auf, ob die Jüngste (gerade ein Jahr alt) immer ihr Spielzeug hat, und hebt es ihr ggf. auf). Auch die Beteiligung der Eltern kam nicht zu kurz und war immer mit viel Spaß verbunden - angefangen von Singkreisen bis hin zum gemeinsamen "Frühjahrsputz" im Garten mit sämtlichen Eltern, Steaks und Würstchen vom Grill und einem Radler zum Abschluss. Wir haben viele schöne Stunden dort verlebt.

Nun wird der Kobold in zwei Wochen drei Jahre alt und ist damit kein Krippenkind mehr. Das bedeutet auch für mich: Abschied nehmen. Und es fällt mir schwer. Ich bin mir sicher, dass auch der Kindergarten hier im Stadtteil toll sein wird. Natürlich wird nach dem durchorganisierten Krippenalltag das offene Konzept eine neue Herausforderung für den kleinen Kobold werden, aber ich mache mir da eigentlich keine Sorgen, damit kommt er sicher klar. Und so sehr ich mich darauf freue, nicht mehr jeden Morgen und jeden Nachmittag ins Auto zu müssen, sondern ab jetzt zu Fuß gehen zu können, so sehr weiß ich auch, dass ich es vermissen werde.

In vier Wochen fahre ich den kleinen Mann das letzte Mal morgens in die Krippe. Nachmittags wird es eine Abschiedsfeier für ihn geben, es werden Fotos gezeigt und seine Lieblingslieder gesungen werden. Wir werden uns von den Erzieherinnen verabschieden, von den anderen Eltern. Wir werden sein kleines Fach ausräumen, seine Wechselklamotten mitnehmen, seine Mappe mit Bildern und Anekdoten bekommen und gehen. Ich werde ganz wehmütig bei dem Gedanken. Und wie ich mich kenne, werde ich sicherlich auch ein paar Tränchen verdrücken.

Als Kassenprüferin des Kita-Vereins werde ich weiterhin Kontakt zur Krippe halten, es wird viele Gelegenheiten geben, die Krippe zu besuchen, wir werden zum Sommerfest gehen - aber es wird anders sein.

Ganz anders.

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